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Tagebucheinträge in der Woche
vom 14.November 2004 bis 20.November 2004

<< älter navigator neuer >>

Headshrinker

Samstag, 20.November 2004 @ 21:41 Uhr
archiv

Nicht viele Worte verlieren: die Rückfahrt nach Cairns sorgte nicht annähernd für irgendwelche körperlichen Beschwerden, so dass mit vereinten Kräften die Biervorräte an Bord geleert wurden: XXXX (Four-X) war frühzeitig alle und VB (Victoria Bitter) reichte auch nicht mehr bis zum Hafen. In der Folge war es nicht verwunderlich, am Hafenkai lauter wankende Gestalten mit breitem Grinse im Gesicht zu sehen. Ich musste mir noch schnell eine Bleibe für die nächsten beiden Nächte suchen und buchte so nebenbei für morgen noch eine Fahrt in den Daintree Rainforest. Und jetzt will ich nur noch schlafen.





Cuts Like A Knife

Samstag, 20.November 2004 @ 16:58 Uhr
archiv

Mit verquollenem Gesicht plumpste ich aus meiner Koje und machte mich zu meinem neunten Tauchgang dieser Reise auf. Genau wie gestern stieg ich leicht hungrig ins Wasser, denn Frühstück gab es erst nach der ersten Runde zwischen den Korallen.

Routiniert im Dreier-Team ging es am Flynn Reef entlang, wo diverse Fische ihren Hunger stillten. Das wusste auch ein richtig ausgewachsener Whitetip Shark, der für mich einen neuen Größenrekord aufstellte. Ein solch langes Teil war mir so nahe (ca. sieben Meter entfernt) noch nie gekommen und ohne Zweifel sorgte die anmutige Eleganz dieses Jägers für eine gehörige Portion Respekt.

In den Theoriestunden wurde immer wieder erzählt, dass man unter Wasser die Tiere nicht anfassen sollte. Aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, eine Schildkröte beim Mampfen zu berühren. Ihr Panzer war leicht schleimig, was ich nicht als sehr angenehm empfand und in starkem Kontrast zu den Landschildkröten im Zoo stand (z.B. im Australia Zoo).

Die vorletzte Pflichtübung, mein heute zweiter Tauchgang, behandelte die Natur der Meere. Dazu ging ich allein mit meinem Tauchlehrer auf die Reise. Er zeigte mir viele im Riff versteckte Tiere, die man ohne weiteres nicht so schnell sieht. Auf meinen Wunsch hin examinierten wir eine Seegurke, die ich als super ästhetisch empfinde. Mir wird fast jeder widersprechen, doch ich bleibe bei meiner Meinung, dass diese Tiere toll aussehen.

Gleichzeitig diente der zweite Tauchgang als Vorbereitung auf meinen letzten: ich hatte eine High-Tech-Unterwasserkamera gemietet. Um wertvolle Zeit (will heißen Atemluft) zu sparen, half mir der Tauchlehrer bei der Suche nach schönen Motiven.

Und zu eben diesen zählt, man ahnt es, Nemo. Die Anemonenfische oder Clownfische waren vor dem Film bereits sehr beliebt, was an ihrer hübschen Färbung liegt. Sie stechen optisch wirklich aus der Masse der Fische heraus. Nicht zu vergessen natürlich ihr farbenreiches Zuhause, die Anemone. Das hier gezeigte Bild, aufgenommen mit Makro und Blitz, ist mein absoluter Liebling. Ein Foto für die Ewigkeit.





Be Here Now

Freitag, 19.November 2004 @ 22:19 Uhr
archiv

Ich vergaß ein kleines Detail am Rande zu erwähnen: an Bord gab es Tauchanfänger sowie Taucher, die einen kleinen Urlaub hier verlebten. Und es gab einen einzigen, der sich zum Advanced Open Water Diver ausbilden ließ: Stephan Brumme, das bin, nun ja, ich. Somit hatte ich die letzten beiden Tage Privatunterricht. Dieser stellte sich als sehr einfach heraus und hatte nichts mit ernsthaftem Lernen am Hut.

Der gestrige Abend an Bord war sehr kurz, da alle müde in die Kojen huschten. Ich stellte keine Ausnahme dar. Heute hingegen fühlte ich mich noch frisch und munter. Die Bordcrew war sowieso die körperlichen Anstrengungen gewöhnt. Ich konnte sie deshalb mit einer DVD richtig erfreuen: ich hatte Finding Nemo (beim Lesen nicht gähnen !) im Gepäck. An dieser Stelle ein Dankeschön an meine Eltern, denn das war ihr Geschenk zu Ostern. Der ganze Nemo-Rummel in den letzten beiden Jahren ging der Crew mit Sicherheit auf die Nerven, erstaunlicherweise hatten jedoch nicht alle den Film gesehen. Sie stimmten auch dem Urteil meines Tauchlehrers in Sydney zu, der meinte, dass die Bewegungen der Fische und viele Farbspiele vom Film sehr gut getroffen wurden. Und unterhaltsam ist Finding Nemo allemal.





Heat Of The Night

Freitag, 19.November 2004 @ 19:35 Uhr
archiv

Gegen sechs Uhr kam der Weckruf. Und keiner regte sich auf. Das ist die gefürchtete Taucherkrankheit .

Mal Spaß beiseite: der hohe Druck unter Wasser ist nicht ganz ungefährlich. Zur Sicherheit sind deshalb rund zwei Stunden Pause zwischen zwei Tauchgängen ratsam (der Tauchcomputer rechnet die Zeit genau aus) und ebenso sollte an einem Tag jeder Tauchgang flacher als der vorherige sein. Hier bei ProDive hielten sie sich sehr strikt an diese Regel: wer dagegen verstieß, durfte den restlichen Tag nur zum Baden ins Wasser. Tauchen ist tabu, denn Sicherheit geht vor.

Zur Ausbildung zum Advanced Open Water Diver gehört u.a. auch ein Tieftauchgang. Unten in fast genau 27 Metern saß ich mit Zach, meinem Tauchlehrer, auf dem Grund und musste Konzentrationstests durchführen, weil sich im Blut lösender Stickstoff für eine leichte Narkose sorgt. Ein kleines Memory-Spielchen erledigte ich später an Bord ca. 30% schneller – dieser Unterschied war deutlicher als ich dachte.

Der zweite Tauchgang am heutigen Tage war zugleich der letzte am Milln Reef. Dieser gefiel mir ausnahmsweise nicht ganz so, denn ich hatte einen neuen Buddy, zu deutsch Tauchpartner, und dem ging frühzeitig die Luft aus. Passiert.

Eine halbe Stunde Fahrt brachte das Boot zum Flynn Reef, wo ich mit den beiden alten Buddys ins Wasser stürzte. Faszinierend fand ich all die riesigen Muscheln, die gut und gerne achtzig Jahre alt waren und über einen Meter maßen. Ihr gemächliches Einsaugen und Auspumpen von Wasser hatte etwas unheimlich beruhigendes. Und um die Einschaltquote, nee, die Mitlesquote dieser Webseite zu erhöhen: ja, Nemo gab es in Hülle und Fülle. Alles in allem eine war das eine eher flache Angelegenheit, die maximale Tiefe betrug nur sechs Meter. Positiv tat sich das gute Sonnenlicht hervor, das über die Korallen huschte und die Farben herrlich zur Geltung brachte.

Gestern der Nachttauchgang war zum Genießen schlechtweg, doch heute durfte ich das Spektakel erneut erleben. Nein, ich musste sogar ! Denn ein Tieftauchgang war Pflicht für meinen erweiterten Tauchschein, was ich mir nicht zweimal sagen ließ. Zusammen mit einem Taucher aus Spitzbergen (ja, nördlichstes Norwegen !) und dem Tauchlehrer schwebte ich durch das Nichts und jagte mit dem Strahl der Taschenlampe den noch wachen Fischen hinterher.





On My Side

Donnerstag, 18.November 2004 @ 21:07 Uhr
archiv

Nachdem ich die komplette Nacht schlaflos verbracht hatte (siehe letzten Tagebucheintrag), fiel mir das frühe Aufstehen gar nicht so schwer – bereits um 7 Uhr durfte am Hafen in Cairns sein, um bei ProDive für drei Tage an Bord zu gehen. Knappe dreißig Taucher taten es mir gleich. Mir war bekannt, dass ein guter Teil davon Tauchanfänger sein würden, d.h. sie legten hier an Bord erst ihren Tauchschein ab. Was ist nicht wusste, ist, dass mindestens die Hälfte Deutsche waren, denn einer der Ausbilder verfügte über die mir eher unpassende Gabe, seinen Unterricht auf Deutsch zu geben. Unangenehm deshalb, weil ich einfach keine Ahnung habe, was diverse Fachbegriffe auf Deutsch heißen, während sie mir im Englischen absolut geläufig sind. Oder kennt jemand ein prägnanten Begriff für Buoyancy Control Device ?

Doch bevor solch konversationsbedingte Probleme zu Tage traten, fütterte ich die Fische ausgiebig. Man, was bin ich für ein Tierfreund ! Ich opferte fast meinen gesamten Mageninhalt meinen süßen Lieblingen unter Wasser. Noch nie und nicht und nö hatte ich solch ernsthafte Sorgen mit dem Seegang, aber heute entschärfte es mich gründlich. Immerhin war ich damit nicht allein, denn geschätzte zwei Drittel hingen bleich über der Reling und gaben komische Laute von sich.

Nach endlos langen drei Stunden ging das Schiff am Milln Reef vor Anker. Im Wasser herrschte eine spitzenmäßige Badewannentemperatur von 27 Grad und über 15 Meter Weitsicht (das ist ein sehr guter Wert). Und was für mich wichtiger war: kaum war ich im Wasser, da ging es mir wieder blendend ! Das schien auch einer richtig schön großen Schildkröte aufzufallen, die unter Wasser kein Reißaus vor mir nahm und sich von allen Seiten mit Luftblasen vollpusten ließ.

Beim zweiten Tauchgang konnte ich, genau wie beim ersten, sämtliche Arten von Hart- und Weichkorallen bestaunen. Selbstverständlich umrundeten riesige Fischschwärme mich und meine zwei Buddys (ein Australier und eine Britin, wie auch zuvor). Ich fand eine große Ansammlung von Anemonen, doch Nemo blieb stur fern. Ein paar kleinere Haie begleiteten uns, doch die waren viel zu klein um beherzt zubeißen zu können . Vermutlich amüsierten sie sich bloß darüber, dass sich unser kleines Dreierteam in der Strömung vernavigierte und nach einer halben Stunde unter Wasser ein gutes Stück abseits des Bootes wieder auftauchte. Schwimmen mit kompletter Ausrüstung kann ganz schön kräftezehrend sein.

Die ersten beiden Tauchgänge waren recreational, also sie dienten der fröhlichen Erkundung des Riffes. Nachdem das Boot ans andere Ende des doch relativ großes Milln Reefs fuhr, sollte mein erster Pflichttauchgang für den PADI Advanced Open Water Diver anstehen. Nach einem kurzen Gespräch stand fest, dass ich sowohl Theorie als auch Praxis mit dem neuseeländischen Tauchlehrer Zach überleben werde, d.h. auf Englisch. Kurz vor Sonnenuntergang führten wir dann den Navigationstauchgang durch. Wie durch ein Wunder lief alles wie am Schnürchen und der Kompass erwies sich als treuer Begleiter.

Dreimal unter Wasser und immer noch nicht genug ? Na es kommt doch noch das Beste am Tauchen: ein Nachttauchgang ! Bislang war ich noch nie nachts tauchen und erst heute erahnte ich, was ich bislang immer verpasste: vollkommene Dunkelheit, nicht einmal Sterne, der Mond oder ähnliches erhellte die Unterwasserwelt; reines, perfektes Schwarz ... wenn man denn seine Taschenlampe ausmachte. Das erinnerte mich irgendwie an Nachtwanderungen im Ferienlager, nur dass damals keine Fische zwischen den Bäumen hingen. Hier hingegen schliefen sie in allen Löchern und Ritzen der Korallen. Mich als Schildkrötenfetischisten erfreute besonders der Anblick einer in das Riff hineingequetschten Schildkröte, die selig von Stephan träumte. In meinem Bett brauchte ich nicht einmal zehn Sekunden um in den selben Zustand zu verfallen.





Take My Hand

Donnerstag, 18.November 2004 @ 01:34 Uhr
archiv

Touch my skin and tell me what you're thinking,
Take my hand and show me where we're going,
Lie down next to me,
look into my eyes and tell me,
oh tell me what you're seeing

So sit on top of the world
and tell me how you're feeling
what you feel is what I feel for you
Take my hand and if I'm lying to you
I'll always be alone if I'm lying to you

See my eyes, they carry your reflection
Watch my lips and hear the words I'm telling you
Give your trust to me
and look into my heart and show me
show me what you're doing

So sit on top of the world
and tell me how you're feeling
what you feel now is what I feel for you
Take my hand and if I'm lying to you
I'll always be alone if I'm lying to you
Take your time, if I'm lying to you
I know you'll find that you believe me
you believe me

Feel the sun on your face
and tell me what you're thinking
Catch the snow on your tongue
and show me how it tastes
Take my hand and if I'm lying to you
I'll always be alone if I'm lying to you
Take your time, if I'm lying to you
I know you'll find that you believe me
you believe me


written by d.armstrong and r.dekkard





The Day You Come

Mittwoch, 17.November 2004 @ 21:25 Uhr
archiv

In Cairns fallen pro Jahr über zehn Meter Regen (!!!) und in feuchten Wochen werden aus der Stadt führende Straßen mit Vorliebe brusthoch unter Wasser gesetzt. Ab und zu taucht auch ein Zyklon am Horizont auf und spielt die biblische Sintflut live nach. Die Einheimischen haben sich in all den Jahren daran gewöhnt und deshalb geht bei solchen Unwettern, die vorwiegend in der Regenzeit zwischen Januar und März auftreten, fast nichts kaputt. Dosenfutter auf Vorrat liegt immer im Haus herum, ohne Frage.

Ich blieb zum Glück von all diesen Dingen verschont und hatte lediglich am Vormittag einen leichten Nieselregen am Hals. Der Höhepunkt der Bewanderung der vielen Wasserfälle in den Atherton Tablelands stellte derjenige dar, dessen Name mir entschwunden ist (Millaa Millaa Falls ?). Macht nichts, ich weiß immerhin, dass dort vor vielen, vielen Jahren der berühmte Timotei-Haarshampoo-Werbefilm gedreht wurde. Keine Ahnung, warum ich damals nie auf den Wasserfall achtete .

Die passende Hintergrundgeschichte ist aber alles andere als romantisch: unweit des Wasserfalls reihen sich Kuhweiden wie an einer Perlenschnur auf und fügen dem klaren Quellwasser eine ganz persönliche Note hinzu. Die Gesundheitsbehörde rät daher wärmstens davon ab, ein intensives Bad am Wasserfall zu nehmen. Möglicherweise reichten die Duftstoffe im Timotei damals beim Filmdreh auch nicht aus, der Darstellerin ein Gefühl wirklich sauberer Haare zu geben …

Nach Natur, Natur, Natur, kam das Paronella Castle zum Vorschein. Diesen hübschen Park mit verschlafenem spanischen Schlösschen baute sich ein Iberier aus Heimweh. Logo, dass hier auch ein Wasserfall mit dabei war, von den ganzen Grünanlagen mal abgesehen. Leider nagte der Zahn der Zeit schon etwas an den Gemäuern und die derzeit anstehende Renovation scheint doch langsam wirklich nötig.

Leicht irritierend fand ich einen kleinen Tunnel, der den verruchten Namen Tunnel Of Love trug. Soll das ein versteckter Hinweis, ein subtiles Zeichen sein ? Was wird heute noch alles passieren, auf das ich nicht vorbereitet bin ? Oder geht meine Fantasie wieder mit mir durch ?

Ganz fantastisch war abends im Restaurant die Känguruh-Platte. Mir schmeckt das Hüpferfleisch einfach besser als Rind und Konsorten. Zumal ein vernünftiger Rotwein sein übriges tat.





A Little Bit Of Sunshine

Dienstag, 16.November 2004 @ 20:05 Uhr
archiv

Nach fast fünf Wochen ohne einen einzigen Flug (welch Leid ) düste ich heute Vormittag erneut per Taxi zum Flughafen um mich knappe vier Stunden später in Cairns wiederzufinden. Was will ich denn dort ? Ganz einfach: ich lebe seit neun Monaten in Australien und war trotz meines Open-Water-Diver-Scheins noch nie im Great Barrier Reef tauchen. Einmal verhinderte nur Fremdverschulden dieses Erlebnis. Schließlich war bei meiner Entscheidung für Cairns der Umstand sehr hilfreich, dass ich für einen fairen Preis gleich noch den Advanced Open Water Diver erwerben kann.

Rein wettertechnisch gab sich Sydney in den letzten Tagen instabil: mal brütete es tropisch, dann gab es wieder deutlich kühlere Tage und der Regen zeigte sich ebenso als häufiger Begleiter. Im hohen Norden Queenslands neigt sich Mitte November die Trockenzeit dem Ende entgegen. Ich darf also schnuckelige 30 Grad ohne allzu viel Niederschlag erwarten. Thumbs up.

Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich die Küste Cairns als alles Mögliche, nur nicht als Strand. Nun gut, es gab Sand. Und Palmen. Doch wo war das Wasser ? Bei Ebbe gähnte dunkler moddriger Schlamm in der Sonne und erweckte nicht gerade die ungezügelte Badelust in mir. Und was nicht vergessen werden darf: in diesen Tagen tauchen langsam die ersten Exemplare der Box Jellyfish auf – das Wassertier mit dem tödlichsten Gift südlich des Nordpols.

Bei einem kleinen Rundgang durch die Stadt (immerhin über 100.000 Einwohner !) buchte ich für morgen eine Tagestour zu den Wasserfällen im Hinterland. Für Sprachforscher: Hinterland heißt auf Englisch, ja, ähm, klar: Hinterland. Wieder was gelernt.





Shiver

Montag, 15.November 2004 @ 22:40 Uhr
archiv

Die nächsten Tage sind verplant: es geht nach Nordostaustralien, besser gesagt Cairns in Queensland. Die paar in Sydney verbleibenden Tage will ich mich nicht überanstrengen und ganz dolle relaxen.

Viele der älteren Generation wollen es nicht wahrhaben, aber man kann sich auch vor einer Spielkonsole entspannen. Eine solche besitze ich leider nicht – egal, dazu gibt es schließlich die Microsoft-Niederlassung in Sydney mit reichlich X-Boxen.

Über die Vorlesung Game Programming wurde dort ein Spieleabend organisiert. Logo, dass ein wenig die Werbetrommel gerührt wird: sowohl für die Spiele als auch die Spieler. Spieleprogrammierer werden viel gesucht … und landen anschließend in einem knochenharten Job, der unheimlich Spaß macht aber brutale Arbeitszeiten aufweist.

"Nicht darüber nachdenken" heißt soviel wie "Halo 2 spielen". Dieses brandneue Spiel wurde erst vor ein paar Tagen in den Handel gebracht und verspricht ein riesiger kommerzieller Erfolg zu werden, der vom Umsatz her selbst große Hollywood-Blockbuster deutlich in den Schatten stellt. Ich spielte immer den naiven virtuellen Kämpfer, den alle erfahrenen Daddler mit Vorliebe abknallten. Das machte auf Dauer keine Laune und so schlich ich mich heimlich davon und zockte lieber ein komisches Snowboard-Spiel.

Allmählich kann ich diverse Dinge durch simples Draufsetzen töten: es gab erneut Pizza (kostenlos, natürlich !) zur Körperperfektionierung. Sumo-Ringen ist nun eine ernsthafte Überlegung wert.

PS: Heute gibt es in diesem Tagebuch mal wieder Fotos ! Ich rechne lieber nicht nach, wie lange ich keine visuellen Abdrücke hinterließ. Ich gelobe Besserung !





Selling The Drama

Sonntag, 14.November 2004 @ 22:01 Uhr
archiv

Kurz nach Mittagszeit quälte ich mich aus dem Bett, griff zur erstbesten Paracetamol-Tablette und stolperte hilflos in die Küche um ein paar Corn Flakes zu greifen. Zusammen mit einem Schwung Milch könnte das gegen einen rauen Hals helfen – oder auch nicht. Jedenfalls konnte ich mich verbal nicht konsequent genug wehren als ich unter einem Schwall von Worten zusammenbrach: ein Freund der niedergeschlagenen Loida stand vor der Tür. Er wollte sie und mich zum Newtown-Festival mitschleppen.

Leider verbrachte er vor einigen Jahren ein paar Monate in Berlin-Kreuzberg und gab unzählige Brocken Deutsch zum Besten. Ich erfreue mich stets an Australiern, die "eins, zwei, drei" sagen können . Okay, er beherrschte deutlich mehr und das gar nicht mal so schlecht. Der australische Akzent bleibt trotzdem spaßig

Das Newtown-Festival findet alljährlich in – voila ! – Newtown statt. Dieser Stadtteil Sydneys grenzt unmittelbar an die University of Sydney und ist in meinen Augen die alternativste Ecke weit und breit. So manche Farbe hätte ich lieber nicht gesehen, so manches Outfit wäre lieber im Schrank geblieben und so manches zum Verkauf angebotenes Utensil hätte besser unter die Theke gehört.

Der kleine Stephan, also ich, ist an Tagen mit herrlichstem Sonnenschein bereits mit einem dicken, großen Eis glücklich. Dann setze ich für gewöhnlich mein zufriedenes Lächeln auf und bin die geborene Positivität. Ich ertrage Einkaufsbummel ohne Murren und lasse mich überallhin mitschleppen. Das kostete Loida weidlich aus.

Zum Abendbrot passte eine dicke Pizza in meinen dicken Bauch und – scheißegal, muss heute sein – noch mal viel Eis hinterher. Ich habe den ganzen Tag lang nichts getan und das war genau das richtige: Ablenkung.





Angels Fly

Sonntag, 14.November 2004 @ 05:20 Uhr
archiv

So kam ich nach Hause: kaum zu etwas zu gebrauchen, weil Denken, Hören und Laufen schwer fiel. Nicht gerade gute Voraussetzungen für eine deftige Überraschung. Die hatte nämlich Loida, meine australische Mitbewohnerin, parat.

Nach unendlich vielen Jahren trennte sie sich von ihrem Freund und saß völlig aufgelöst im Wohnzimmer auf der dringenden Suche nach seelischer Unterstützung. Ich weiß wirklich nicht woran es gelegen hat, aber ich redete mit stoischer Ruhe auf sie ein und konnte sie von einer Welt überzeugen, an die ich, seufz, vor langer Zeit aufgehört habe zu glauben. Volle sechs Stunden verlangten sprachlich alles von mir ab – und als die Sonne am Horizont aufging, ging es ihr zwar immer noch nicht wirklich gut, doch sie wird die nächsten Tage und Wochen und Monate schon überstehen. Daran glaube ich fest.







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