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Tagebucheinträge in der Woche
vom 27.Juni 2004 bis 03.Juli 2004

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Leaving Las Vegas

Samstag, 03.Juli 2004 @ 19:05 Uhr
archiv

Fast jeder, der in Katherine einen Zwischenstopp einlegt, fährt zu den Katherine Gorges. Es handelt sich dabei um einen Fluß, der sich im Laufe der Zeit in das Gestein eingefressen hat und zwischen all den Felsen entlangschlängelt.

Meine Planungen reichen im Allgemeinen bis morgen, im Ausnahmefall mal bis übermorgen. Doch in diesem Fall erspare ich mir die Bootsfahrt in den Katherine Gorges, da ich vorhabe, an einer ähnlichen Tour weiter westlich in Kalbarri teilzunehmen und dort werde ich erst in zwei, drei Wochen aufschlagen. Denn um ehrlich zu sein: für eine nur zweistündige Bootsfahrt hätte ich in Katherine fast 100 A$ auf den Tisch legen müssen. Das ist für mich eine unverschämte Abzocke, die wohl nur deshalb funktioniert, weil die durchführende Firma ein ziemlich geschicktes Marketing betreibt.

Und so fragte ich die anderen Reisenden in der Jugendherberge, die zu den Gorges unterwegs waren, ob es sich denn auch gelohnt habe. Die Reaktionen waren eher zwiespältig und beruhigten daher mein Gewissen.

Die Zeit bis zur Abfahrt meines Buses, also quasi den halben Vormittag, verbrachte ich mit einer Übertragung eines Netball-Spiels im Fernsehen (der unter freiem Himmel stand). Die Regeln habe ich nicht ganz verstanden, obwohl sie weit entfernt Basketball ohne Rennen, ohne Verteidigung und ohne Springen ähneln. Was bleibt übrig ? Richtig: einfach nix. Immerhin ist Netball eine sehr beliebte Sportart unter Frauen, da es körperliche Unterschiede nahezu eliminiert. Übrigens verlor Australien gegen Neuseeland.

Die mehr als 500 km bis Kununurra führen durch menschenleeres Gebiet. Um exakt zu sein: Kununurra ist in westlicher Richtung die nächstgelegenen Stadt. Gerade mal zwei Tankstellen sorgen für verzweifelte Anzeichen von Zivilisation. Und nicht zu vergessen ist die Grenze zwischen dem Northern Territory und Western Australia: obwohl es sich um einunddasselbe Land handelt - nämlich Australien - gibt es eine strenge Kontrolle. Dabei geht es nicht um Personalien sondern um Früchte, Nüsse und ähnliche Landwirtschaftsprodukte. Ich vermute mal, dass eine Menge Krankheiten in Western Australia noch nicht existieren und man eine Einschleppung verhindern will.

Bevor in der Nähe von Kununurra die typischen bauchigen Boabbäume das Straßenbild säumten, gab es die wundervoll abstrakt geformten Berge des George National Parks, die geschickt zwischen Hochplateaus und scharfkantigen Tälern schwankten. Diese Region wird selten in Reiseführern erwähnt, war für mich jedoch Anlaß stundenlang aus dem Fenster des Buses zu starren. Wenn nicht eine verirrte Kuh auf der Straße mal wieder für eine Vollbremsung sorgte.





Learn To Fly

Freitag, 02.Juli 2004 @ 22:29 Uhr
archiv

Als Student hat man des öfteren die Gelegenheit in richtig großen Hörsälen zu sitzen. Aber selbst diese sind lächerlich klein gegen den größten Klassenraum der Welt, welcher sich in Katherine befindet: er erstreckt sich über zigtausend Quadratkilometer. Aufgrund der abgelegenen Siedlungen und Farmen werden die Schüler der School of the Air per Funk unterrichtet. Angefangen hat das vor circa 50 Jahren und derzeit sitzen über 250 Schüler in diesem überdimensionalen Klassenraum, der dreimal größer als Deutschland ist. Mehr Familien und damit Kinder gibt es im nördlichen Outback einfach nicht ...

Moderne Technologie verdrängt langsam die traditionelle Funktechnik und derzeit baut man mit Hilfe von Satelliten-Internettechnik ein Videokonferenzsystem auf. Der Staat pumpt mächtig Geld in diese Schule um sie gern als Vorzeigestück darzustellen. Mit Erfolg: im Durchschnitt sind die (weißen) Schüler besser als die Stadtkinder. Ähnliche Schools of the Air gibt es in ganz Australien, eine der bekanntesten dürfte die in Alice Springs sein.

Wie auch in Darwin, so hat das Militär in Katherine ebenfalls eine lange Tradition. Landverteidigung ist eher unwichtig (den Gegner lässt man im Zweifelsfall verdursten ) dafür spielt die Luftwaffe eine große Rolle. Die Fliegerei führte zum Aufbau eines der ersten Flying Doctors Australiens. Die anfängliche Ausflüge zu den Patienten in überalterten Maschinen wurden bildlich sehr ausführlich dokumentierten Bruchlandungen unterbrochen. Immerhin kann sich ein Arzt ja selbst helfen !

Neben dem Flughafen stand das kleine Museum, welches neben der älteren Geschichte auch der Flut von 1998 viel Raum widmet. Der kleine harmlose Bach, der den Ort streift, schwoll aufgrund des Wirbelsturms Les derart an, dass die Wassermassen den Hafen Sydneys in 6 Sekunden (!!!) gefüllt hätten. Glaubt mir, der Sydney Harbour ist alles andere als klein - und damit scheint es verständlich zu sein, dass es wahrscheinlicher ist in den trockenen Gebieten zu ertrinken als zu verdursten.

Zurück in der Jugendherberge war ein Deutscher neu angekommen (die gibt es in Australien wahrlich zu genüge), aber dieser eine kam aus Belzig. Da reise ich nun um die halbe Welt und dann holt mich doch die Heimat ein ...

Ich wollte mich im Swimming Pool etwas abkühlen, floh dann aber innerhalb weniger Sekunden: das Wasser schien ja aus dem Kühlschrank zu kommen ! Da schimmerte sofort die kleine Frostbeule in mir durch, die lieber die wärmende Sonne bevorzugte. Es döst sich zudem wesentlich besser unter derselben, nicht wahr ?!





By The Way

Donnerstag, 01.Juli 2004 @ 20:51 Uhr
archiv

In den letzten beiden Tagen kam ich genaugenommen nicht vom Fleck: denn ich war wieder zurück in Darwin, genau dort wo mein Flieger am Montag morgen landete. Auf der anderen Seite lagen bereits knappe 600 km Fahrt hinter mir. Das ist nur ein Katzensprung verglichen mit den 6.000 km die noch vor mir liegen.

Bevor ich zuviel über Zahlen sinnierte, stieg ich lieber in den Bus und fuhr nach Katherine, meiner nächsten Station, los. Von der Küste verabschiedete ich mich für ein paar Tage um das Innere Australiens anzukratzen. Immer den Australian Highway 1 entlang, stellte ich mir die Frage, ob der Name "Highway" auch gerechtfertigt sei: in Deutschland ist sowas eine stinknormale Straße.

Über lange Strecken verlief die Straße parallel zur neuen Bahnstrecke des Ghan. Dieser Zug durchquert Australien von Adelaide im Süden bis nach Darwin im Norden - das letzte Teilstück wurde erst vor wenigen Monaten feierlich eröffnet. Der Ghan erfreut sich ungemeiner Beliebtheit und ist für mehrere Wochen im Voraus komplett ausgebucht. In der Zeitung war gerade die große Schlagzeile, dass der Ghan mit 1,2 km der längste Personenzug der Welt war. Da es nicht so lange Bahnhöfe gibt, ist schon das Ein- und Aussteigen eine Kunst für sich.

Katherine mit seinen 5.000 Einwohnern verdankt seine Bedeutung eigentlich dem Zusammentreffen der wichtigen Straßen aus Cairns (Westen), Alice Springs (Süden), Broome (Osten) und Darwin (Norden). Dementsprechend scheint die Hauptattraktion der riesige Woolworth's Supermarkt zu sein. Wer etwas genauer hinschaut kann viel mehr entdecken: hier gibt es echte Didgeridoos zu vernünftigen Preisen.

Zwar sind diese Musikinstrumente in quasi allen australischen Städten käuflich erhältlich, doch meisten sind es industriell hergestellte Produkte, was die Ladenbesitzer gern verschweigen. Ein echtes Didj entsteht, wenn Würmer einen speziellen Baum befallen und diesen von innen aushöhlen. Von Menschenhand darf normalerweise nur die Bemalung und das Mundstück stammen.

Die Entfernung zum Ozean - über 400 km - sorgt für ein trockeneres und wärmeres Klima. Tagsüber knackt Katherine mit schöner Regelmäßigkeit die 33 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Was hilft dagegen ? Die Hot Springs ! Erdwärme lässt etwas außerhalb des Ortes eine heiße, besser: warme, Quelle entstehen, die eine beliebte Badestelle ist. Mir kam das wie eine naturgeschaffene Badewanne vor.

Auf dem Rückweg zu meiner Herberge wurde es dunkel und damit konnte die Einheimischen den 25.Jahrestag der Unabhängigkeit der Northern Territories feiern. Mit Feuerwerk und Kehlenbefeuchtung verbrachte sie den Abend - ich hatte keine Ahnung, dass dieser Nationalfest anstand und war dementsprechend etwas überrascht.





Dancing In The Sunshine Of The Dark

Mittwoch, 30.Juni 2004 @ 19:29 Uhr
archiv

Um kurz vor sieben Uhr morgens kann man eigentlich nur drei Dinge machen: weiterschlafen, aufstehen oder weiterschlafen. Ich entschied mich für die goldene Mitte. Denn ich verspürte dieses Gefühl, dass ich für soviel Mut (ich wiederhole das Kernproblem: ein Student steht vor sieben Uhr auf !) auch angemessen belohnt werden würde. Und wie ich Recht hatte ...

Der Yellow River ist im Wesentlichen ein großes Überschwemmungsgebiet im Kakadu National Park. Während die Regenzeit einen großen See entstehen lässt, der hier und dort durch vereinzelte Bäume eingerahmt wird und etwas leblos wirkt, kann man während der Trockenzeit eine unglaublich aktive Tierwelt bestaunen. Natürlich sagen die Salties beständig "Hallo !", aber viel interessanter sind die Kolonien unzähliger Vögel, die nicht nur das Auge erfreuen sondern auch eine akustische Untermalung liefern. Sie scheuen ein wenig die heiße Mittagssonne und deshalb ist die morgendliche Bootsfahrt mit Abstand die beste.

In zwei Stunden gab es alle Varianten des Farbenspiels der Morgendämmerung, das sich vielfältig in Fauna und Flora widerspiegelte. Das Gebiet ist in dieser Jahreszeit erstaunlich grün, wenn man bedenkt, dass sich hier in wenigen Monaten wieder nichts als Wasser befinden wird. Dann haben auch die Tiere nicht immer ausreichend Nahrung und deshalb sind ein guter Teil der Vögel Zugvögel - vielleicht treffe ich ja ein paar in Sydney wieder.

Meine beiden Hände haben gerade noch ausgereicht die ganzen Krokodile zu zählen. Sie lagen mit einer demonstrativ arroganten Faulheit im Wasser und saugten die ersten Sonnenstrahlen in sich auf. Zwar können sie durchaus Menschen töten - und tun das auch von Zeit zu Zeit - aber eigentlich haben sie eine gute Portion Angst vor uns und suchten gern das Weite, wenn sich unser Boot ihnen näherte. Nur wer sich dümmer als dumm benimmt und die Warnzeichen nicht beachtet, der muss halt mit den Konsequenzen leben.

Am frühen Vormittag verliess der Bus dann den Yellow River und Cooinda um sich nach Ubirr aufzumachen. Die Aborigines verehren die Steinformationen als heilige Stätte und hinterliessen wieder eine Vielzahl an Wandmalereien. Eine waren schon etwas moderner und wiesen Anzeichen weißer Siedler auf: Gewehre schindeten damals großen Eindruck, aber auch die Angewohnheit der Europäer, ihre Hände lässig in den Hosentaschen zu verstecken. Die Ureinwohner kannten sowas nicht und sahen darin eine Geste der Götter.

Die Bergbauindustrie hat ein viel größeres Interesse an Ubirr: die ganze Gegend ist relativ radioaktiv und eine bedeutende Förderstätte für Uran. Die Strahlung ist zwar an der Oberfläche weitgehend ungefährlich, sorgt aber wohl für imposante Gewitter in der Regenzeit. Und meines Erachtens ist die Moskitokonzentration wirklich nicht normal ...

Dankbarerweise fanden wir uns bald im Bus wieder und nach einem kleinen Abstecher zum Kakadu Information Centre ging es zurück nach Darwin. Dort probierte ich zum Abendbrot ein Gericht aus Laos, von dem ich bis heute weder den Namen noch die Zutaten kenne. Vielleicht auch besser so.





Paint The Sky With Stars

Dienstag, 29.Juni 2004 @ 20:15 Uhr
archiv

Der Film Crocodile Dundee wurde logischerweise genau dort gedreht, wo es die meisten Krokodile gibt: am Alligator River. Rein biologisch betrachtet ist der Name dieses Flusses falsch, da Alligatoren etwas anderes als Krokodile sind, aber den meisten Salzwasserkrokodilen ist das total wurscht. Sie begrüßen ihre Besucher mit offenen Armen, ähm, offenem Mund.

Und selbst der Name Salzwasserkrokodil oder Saltie ist irreführend. Diese Urviecher überleben auch problemlos in Süßwasser, nur findet man sie dort wesentlich seltener. Der Alligator River ist eine Halb-Halb-Mischung: vom Meer her drückt während der Flut Salzwasser in den Kakadu National Park, die Gewässer selber sind vom Ursprung her Süßwasser.

All das erzählte uns der Busfahrer und malte es mit unglaublich vielen Fakten und netten Geschichten aus. Eigentlich ist Greyhound/McCafferty's ein Busunternehmen, das sich mehr auf die Beförderung als auf die Unterhaltung der Reisenden konzentriert. Und so war ich etwas überrascht, einen richtig guten Reiseführer als Busfahrer zu haben.

Sein Bus fasst bis zu 50 Personen - also ein normaler Reisebus - nur waren lediglich acht Plätze belegt. Und zwei Personen waren Einheimische, die wirklich nur nach Hause wollten. Somit blieben mickrige sechs Touristen übrig, die nahezu durchweg europäische Studenten zwischen 20 und 30 waren. Ganz ehrlich: der Busfahrer hätte mit seinem Wissensschatz wenigstens bis um 8 Uhr warten sollen, denn die dreistündige Fahrt wollten viele noch zum Ausschlafen nutzen ... aber dann hätte ich die Mango- und Reisplantagen verpasst, hätte nicht die Wallabies und Termitenhügel gesehen und hätte auch den ersten Eindruck schnurgerader Straßen verpasst.

Kakadu zeichnet sich vor allem durch viele jahrtausendealte Wandmalereien aus, wobei wir in Nourlangie den Anfang machten. Da die Aborigines keine Schrift entwickelt hatten, überlieferten sie ihre Geschichten, Gesetze und Ortsbeschreibungen mündlich und durch Wandmalereien. Letzteres ist auch viel effizienter, weil fast jeder Stamm eine andere Sprache spricht, selbst wenn der nächste Stamm nur wenige Kilometer entfernt lebt. Für manche ist Englisch daher lediglich die dritte oder gar vierte Sprache und wird nicht immer ausreichend gut beherrscht.

In Cooinda, einem sehr neuen Campingplatz inkl. Flughafen (!), hatte ich im Voraus ein Bett gebucht. Gleich nebenan berichtete ein Aborginal Information Centre von der Schöpfungsgeschichte (in einer Version ohne Darwin und ohne Bibel) und natürlich auch von den bitteren Geschehnissen der letzten 200 Jahre, in den die Weißen das Leben der Aborigines total aus den Angeln gehoben haben. Seltsamerweise sah ich nur Weiße, die das Museum bzw. das angeschlossene Souvenirgeschäft betrieben.

Von all dem schlichtweg unbeeindruckt verbringen die Moskitos am ebenfalls nahegelegenen Yellow River ihr blutsaugendes Leben. Mit ungemeiner Penetranz verlangten sie mir Körperverrenkungen ab, die mir vorher unbekannt waren. Hätte ich doch nur in der Apotheke die chemische Keule gekauft und mich damit eingeschmiert - nun ist es zu spät. Und die Natur half mir auch nicht wirklich, denn den passenden Frosch und eine Eidechse entdeckte ich anschließend unter der Dusche, wo sie meinen nackten Adoniskörper erblickten und dann spontan die Flucht ergriffen. Unverständlich.





Fisherman's Blues

Montag, 28.Juni 2004 @ 22:25 Uhr
archiv

Der Wetterbericht enthält jedesmal eine überflüssige Information: die Tagestemperatur in Darwin. Wer interessiert sich denn dafür ? Das ganze Jahr über herrschen konstant 30 Grad. Punkt.

Naja, der Regenbericht kann schon wichtig sein, denn statt vier Jahreszeiten leben die Menschen und vor allem die Natur im Rhythmus von Regen- und Trockenzeit. Im derzeitigen australischen Winter, also dem deutschen Sommer, sorgt die Trockenzeit für strahlend blauen, wolkenfreien Himmel und hält auch jeglichen tropischen Wirbelsturm von Darwin fern.

Vor allem der Zyklon Tracy veränderte die Hauptstadt der Northern Territories gewaltig - zum besseren. Die ehemals vorwiegend militärisch geprägte Stadt, die erst durch den zweiten Weltkrieg zu größerer Bedeutung wuchs, weist heute ein ziemlich modernes Flair auf und kann sich in Sachen Sauberkeit und Gepflegtheit eine Spitzenposition einkassieren. Freien Platz hat man sowieso in Überfluß und leistet sich den Luxus eines Golfplatzes fast in der Innenstadt. Der Botanische Garten dient nicht nur der Erholung sondern fungiert auch gleichzeitig als Testgelände für die Ansiedlung ausländischer Gewächse mit dem Hintergedanken einer späteren kommerziellen Nutzung, wie es etwa mit Mangos vor einiger Zeit erfolgreich passierte.

Die einheimische Natur brilliert nicht so sehr durch die Pflanzenvielfalt sondern mehr durch tödliche Tiere. Die Salzwasserkrokodile, auch Salties genannt, dürften wohl am bekanntesten sein, weil sie regelmäßig einen unvorsichtigen Menschen genüßlich verspeisen. In meinen Augen akuter ist die Gefahr durch die Würfelqualle (Box Jellyfish): sie kann mit ihrem Gift einen Erwachsenen in wenigen Minuten töten. Darum herrscht nahezu das halbe Jahr über Badeverbot im Meer, was zahlreiche Hinweisschilder beständig verdeutlichen. Bei dem oben angesprochenen Temperaturen finde ich das ziemlich gemein von der bösen, bösen Würfelqualle.

Aber auch ganz harmlose Katzenfische und Milchfische besuchen die Stadt. Ihre Namen sagen nichts, aber wirklich nichts, über ihr Äußeres aus und werden mir ewig ein Rätsel bleiben. Mit einer unglaublichen Zuverlässigkeit kann man diese Flossentiere täglich in Aquascene bei eintretender Flut füttern. Nur blöd, dass ich selbst noch kein Mittag gegessen hatte und deshalb am liebsten ins Wasser gegriffen hätte, um einen dieser Proteinlieferanten roh zu verspeisen. Nur ein nahegelegener Streets-Ice-Cream-Verkaufsstand (das ist der australische Name für Langnese) rettet sie.

Zur Durchquerung des Golfplatzes und des Botanischen Gartens brauchte ich eine ganze Weile und fand dank meines leicht überladenen Rucksacks den Winter in Sydney plötzlich gar nicht mehr so schlecht. Das Ziel, das Northern Territory Museum, hielt eine kleine Überraschung für mich bereit: sämtliche erklärenden Texte, die von mittlerweile verstorbenen Aborigines stammen oder sich auf diese beziehen, sind mit schwarzen Balken übersät. Getreu dem Glauben der Aborigines darf der Name eines Toten nicht genannt werden, da sonst seine Seele keine Ruhe findet. Gleiches gilt übrigens auch für Fotos: die Gesichter sind stets unkenntlich gemacht worden. Manchmal geht die komplette Aussage des Exponates verloren, aber die religiösen Ansichten der Ureinwohner Australiens muss man akzeptieren.

Meine letzten Minuten in einer Großstadt - naja, so um die 80.000 Menschen leben in Darwin - verführten mich zu einem Kinobesuch. Und tatsächlich: Shrek 2 ist richtig, richtig gut. Schön zu wissen, dass Shrek 3 und Shrek 4 bereits produziert werden ...





Crying

Sonntag, 27.Juni 2004 @ 23:59 Uhr
archiv

So langsam scheint es zur Gewohnheit zu werden, dass der Beginn meiner Reisen mit kleinen Stolpersteinen versehen ist. Bis zum Betreten des Fliegers war meine Welt noch in Ordnung: alle Sachen rechtzeitig gepackt, einen süßen Schlafsack im Supermarkt erstanden, bei der Gelegenheit gleich noch eine Packung Tiny Teddy-Kekse gegriffen und natürlich reichlich Literatur sicher verstaut.

Doch das Grauen kam unweigerlich: in der Maschine von Virgin Blue war mein Last-Minute-Platz direkt neben der Kleinkinder- und Babyabteilung. Erstaunlicherweise konnte sich alle gut benehmen: alle bis auf eines. Und das saß natürlich auf dem Platz unmittelbar hinter mir. Viele Reisende waren spätestens um Mitternacht am Einnicken, doch die Todesschreie (nein, das war kein normales Weinen mehr) dieses kleinen Mädchens hielten selbst die vorderen Reihen des großen Fliegers wach. Ich kann mir gut vorstellen, dass selbst der Pilot in seiner abgeschirmten Kabine aus seinem kleinen Nickerchen aufschreckte.

Da griff ich gezwungenermaßen zu meinem Buch namens Tracy, das den schlimmsten tropischen Wirbelsturm in der Geschichte Australiens beschreibt, der zu Weihnachten 1974 die komplette Stadt Darwin vernichtete und nichts, wirklich nichts stehen ließ. Wo lande ich nochmal ? Jetzt fällt es mir wieder ein: in Darwin.

Genau sechs Monate ... ach nee, das ist ja noch lange hin.


2 Kommentare

wenigstens einer der noch seine Jahre zählt...
schrieb [ich] am 28.06.2004 um 15:11 Uhr
du zählst doch nicht wirklich die Tage bis zu deinem nächsten Geburtstag...wenn du magst geb ich dir ein paar Jahre gerne ab...
Interessant
schrieb [Jule] am 29.06.2004 um 23:00 Uhr
Mit Interesse habe ich Deine Berichte gelesen, denn auch ich werde nun bald, hoffentlich in neun Monaten wieder runter fliegen. Falls Du ein paar nordisch-gernanische Tipps brauchst z.B. verpasse nicht die Bierbrauerei/BAR Little Creatures in Freo, Bier besser als Wein, (hatte schon mal das Vergnügen ein Jahr durch Oz zu reisen)bei Perth, das Bier Amber Ale ist der Hammer, dann scheib mir. In Gegenzug wünsche ich mir ein paar aufbauende Worte, um den deutschen Papierkram zu überstehen. Keep in touch mate, liebe Grüße aus Berlin, Jule.






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