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Tagebucheinträge in der Woche
vom 06.Juni 2004 bis 12.Juni 2004

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Life Thru A Lens

Samstag, 12.Juni 2004 @ 20:21 Uhr
archiv
mehr ? na hier: Bilder: fiji

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns zum Blue Lagoon Beach auf. Der Name rüht vom tiefblauen Wasser her, das so naturklar ist, dass es schon wieder unnatürlich wirkt. Große Berühmtheit erlangte diese Gegend durch zwei Hollywood-Filme: der erste entstand vor über 50 Jahren und der Nachfolger in den 80ern wurde mit Brooke Shields zum großen Kassenschlager.

Fiji entstand durch Vulkanaktivität und wurde später durch Korallen geformt. Im Ergebnis sind viele Strände steinig oder sehr dunkel. Eine Ausnahme bildet der Blue Lagoon Beach, der wirklich sehr feinkörnig und fast weiß ist. Keine zehn Meter vom Wasser entfernt wachsen Kokospalmen im Überfluß, so dass das Postkartenmotiv perfekt ist.

Da fährt man nun bis ans Ende der Welt (11 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland !) und dann das: wir treffen auf drei Deutsche. Sind unsresgleichen denn überall zu finden ? Seltsam, seltsam. Aber das Wetter wurde etwas besser und ab und zu sah ich sogar die Sonne - übrigens zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Fiji vor zwei Tagen.

Wie schon die vorangegangenen Mahlzeiten bestand auch das Mittagessen aus sehr gesunden Zutaten: selbst angebautes Gemüse wie Karotten und Bohnen wurde mit Nudeln und Reis vermischt und als Beigabe frische Ananas serviert, was ein rein vegetarisches Mahl ergibt.

Am Nachmittag stießen wir zu unserem ersten Tauchgang auf. Westside Watersports brachte uns auf einem neuen Boot und sehr professionell vorbereiteter Tauchausrüstung zu einer Stelle namens Coral Gardens. Leider konnten nur Marie und ich ins Wasser, da Quyen ihren Tauchausweis in Sydney vergessen hatte. Weiterhin schien die Sonne noch nicht konsequent genug, was die Unterwasser-Lichtbedingungen etwas einschränkte. Es gab mehr als genug Korallen, der Name ist daher mehr als gerechtfertigt, doch sie sahen alle relativ dunkel und grau aus. Eventuell trat hier das gefürchtete Korallenbleichen auf, bei dem Korallen durch Umwelteinflüsse, wie den Wetterkapriolen der vergangenen Tage, ihre Farbe verlieren.

Mein PADI-Open-Water-Diver-Tauchschein erlaubt ein Absteigen in bis zu 18 Meter Tiefe. Heute lag mein Maximum bei 23 Metern ... da man in größerer Tiefe auch schneller seine Luft verbraucht, hieß es nach 40 Minuten "Aufsteigen !". Vorher konnte ich noch miterleben, wie der Tauchführer einen Tintenfisch ergriff und sich das arme Tier mit Unmengen Tinte wehren wollte. Dieser "Melkvorgang" dauerte mehrere Minuten und am Schluß empfand ich das ganze als ziemliche Tierquälerei. Einige Taucher sahen eine Schildkröte und gar einen Hai. Letzteren konnte ich zwar hören aber nicht zu Gesicht bekommen.

Nach der Rückkehr zu unserer Unterkunft Gold Coast verliebte ich mich. Oh ja ! Ich verliebte mich in Coconut und Small, die beiden Hunde des Kochs. Ihre Namen kommen nicht von ungefähr: Coconut ist braun wie eine Kokosnuß, während Small nicht viel mehr als ein wuseliges Knäuel darstellt.

Die Sonne ging unter und was geschah ? Richtig, alle Wolken verzogen sich ! Ein unglaublich klarer Sternenhimmel kam zum Vorschein. Da jegliches von Menschen geschaffenes Licht fehlt - auf der Insel gibt es keinen elektrischen Strom ! - und auch der Mond erst gegen Mitternacht aufgeht, konnte ich Sterne sehen, die mir vollkommen unbekannt waren. Noch nie war die Milchstraße derart klar zu erkennen ... dieser Anblick faszinierte mich endlos.


1 Kommentar

Fragen und Anmerkungen
schrieb [Bruder Christian] am 24.06.2004 um 9:54 Uhr
Waren die Deutschen Sachsen? Man hört das ja immer wieder, dass man im Ausland vorrangig auf die anscheinend reiselustigen Sachsen trifft Wie kann man einen Hai hören und nicht sehen? Schwimmt der so laut Intern: An dieser Stelle sollte man vielleicht einen kleinen Augenblick an Molli denken, der doch dein erster Lieblingshund war.




Milk Is My Sugar

Freitag, 11.Juni 2004 @ 21:39 Uhr
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Die erste durchgeschlafene Nacht in Fiji - das tat so gut ! Zwar war das Bett ziemlich hart und die Erfindung der Federkernmatratze ist noch nicht bis in alle Winkel der Welt vorgedrungen, aber dennoch war dieser Schlaf eine echte Wohltat.

Bevor ich das legendäre Frühstück zu mir nahm, probierte ich den Geschmack von frischem Zuckerrohr. Direkt hinter der Herberge erstreckt sich ein riesiges Feld und eine der Pflanzen musste für uns Hostel-Gäste dran glauben. Der Zuckerrohr-Saft schmeckt wirklich angenehm, da er nicht übermäßig süß ist. Lediglich die holzrigen Pflanzenfasern verderben das Vergnügen ein wenig.

Nur neuseeländische Organisation ist auf Fiji in der Lage, pünktlich und mit vollständigen Unterlagen unsere Überfahrt zu den Yasawa-Inseln zu meistern: der Bus von Awesome Adventures holte uns direkt von der Haustür ab und brachte uns zum Hafen, wo bequem per Kreditkarte alles bezahlt wurde. Und fast auf die Sekunde genau fuhr der Katamaran namens Yasawa Flyer dann los. Für die über 100 km brauchte das Boot inklusive mehrerer Zwischenstopps an diversen Inseln über drei Stunden.

Das Wetter wurde wieder feuchter und merklich kühler. Deshalb mein offenes Geständnis: ich habe auf Fiji gefroren ! Der Fahrtwind kombiniert mit dem Regen war total unangenehm und nicht sehr gastfreundlich.

Im Verlaufe des Nachmittags hielt dann der Yasawa Flyer in der Blauen Lagune und ein sehr spartanisches kleines Zubringer-Motorboot brachte uns zu unserem Quartier Gold Coast. Außer uns drei wohnte dort noch ein französisch-tschechisches Ehepaar, die ebenfalls des Tauchens wegen nach Fiji kamen. Aber bei dem Wetter war momentan nicht dran zu denken und so verkroch sich jeder in seine Hütte, kam zum Abendbrot kurz heraus und sehr zeitig schliefen wir friedlich ein.





So Fine

Donnerstag, 10.Juni 2004 @ 22:48 Uhr
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All diese menschlichen Abgründe, die mir in Nadi offenbart wurden, ließen nur einen Schluß zu: raus aus der Stadt, rein in die Natur ! Mit Bus sollte es zum Garden of the Sleeping Giant gehen. Wenn es doch nur einen Fahrplan gäbe ... alles orientiert sich in Fiji an der Fiji-Zeit: komme ich nicht heute, dann komme ich morgen. Keine Hektik, kein Streß, keine Pünktlichkeit.

Die Busse verfügen über keine Scheiben außer der Windschutzscheibe. Somit weht immer ein frisches Lüftchen durch die Reihen. Da es mittlerweile zwar immer noch bewölkt war, aber es langsam trocken und vor allem schwül wurde, empfand ich das als sehr angenehm.

Der Australier sagt gerne In the Middle of Nowhere und meint damit soviel wie Am Arsch der Welt. An genau einem solchen Ort stiegen wir aus und folgten dem Wegweiser zum Garden of the Sleeping Giant. Mit uns verließen mehrere Schulkinder den Bus und so liefen wir gemeinsam an den ganzen Zuckerrohrplantagen entlang. Die Kinder beäugten Marie und mich neugierig - wahrscheinlich sehen sie auf ihrem Schulweg sonst nicht allzu viele Europäer.

Auf der Karte war der Weg nicht weit aber nach über einer halben Stunde wurde ich ein klein wenig nervös und fragte bei den Kindern nach, ob wir immer noch auf dem richtigen Weg sind. Sie bejahten meine Frage und meinten, dass es jetzt auch gar nicht mehr weit sei. Nach einer weiteren halben Stunde standen wir schlußendlich vor dem Garten, der ein großer Orchideenpark ist.

In Fijis Klima gedeihen die Orchideen wunderbar und geben ein farbenprächtiges Bild ab. Leider kam diese Vielfalt bei unserem Besuch nicht ganz zur Geltung, da die Sonne langsam unterging (tja, ab 17 Uhr wird es echt dunkel). Und so blieb unser Besuch auch recht kurz.

Von ein paar Amerikanern ließen wir uns dann im Auto mitnehmen, um Quyen rechtzeitig vom Flughafen abzuholen. Somit war Marie als einzige Vertreterin Frankreichs nun wieder in der Unterzahl und konnte sich nur schwer gegen die deutsche Übermacht, bestehend aus Quyen und mir, behaupten.

Ganz stolz konnten wir einen Taxifahrer auftreiben, der uns für 6 F$ zur Unterkunft fahren wollte. Nach einem kurzen Halt am Geldautomaten wollte er auf einmal 7 F$ für die ganze Fahrt haben. Schließlich hielt er am West Inn Hotel. Ähmm, wollten wir nicht zum Western Hostel ? Das kannte er gar nicht und so durfte ich ihm erstmal den Weg weisen. Am Ziel angekommen verlangte er ganz frech 8 F$. Mir war das alles zu blöd und deshalb zahlte ich diesen erhöhten Preis anstandslos. Leider mit einem 10-F$-Schein. Welch Zufall, dass er als Taxifahrer nicht genügend Wechselgeld hatte - er gab mir 70 Cent und versprach den Rest später vorbeizubringen. Ich sah ihn nie wieder ...

Ich sah auch die verrückte Frau von heute morgen nicht wieder. Das ist doch immerhin etwas !





Something Is Lost

Donnerstag, 10.Juni 2004 @ 15:18 Uhr
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Nach einem richtig schmackhaften Mittagessen namens Sweet Fiji Chicken schlug ich vor, einen im Reiseführer lobend erwähnten Hindi-Tempel namens Sri Siva Subramaniya zu besuchen. Er ist immerhin der größte seiner Art in der südlichen Hemispäre. Aus Respekt vor den Gottheiten wird jeder Besucher gebeten den Tempel nur barfuß zu betreten.

Die Anlage ist relativ neu, vermutlich keine zehn Jahre alt, und so stießen wir auch auf eine der Personen, die die Deckenmalereien anfertigte. Der nette Mann führte uns ganz stolz durch die Anlage und erklärte uns ausführlich viele der religiösen Details. Er strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, was er immer wieder mit Meditation ! Meditation ! begründete.

Fast die Hälfte aller Einwohner Fijis sind übrigens indischer Abstammung, die von den Briten vor knapp hundert Jahren zum Zuckerrohranbau nach Fiji verfrachtet wurden. Es sieht ein wenig komisch aus, die zum Übergewicht neigenden Fijians neben den dürren Indern zu sehen. Die resultierenden Rassenprobleme sind heute noch aktuell in Fiji und Grund für gelegentliche Unruhen.

Drei Runden im Uhrzeigersinn um den Tempel sollen Glück bringen. Da das gleiche auch auf meine frisch erworbene Schildkröte zutreffen soll, kam ich beim Verlassen des Tempels etwas ins Grübeln: wo sind eigentlich meine Schuhe abgeblieben ? Maries Latschen waren noch an Ort und Stelle, aber meine Größe-47-Treter schienen sich in Luft aufgelöst zu haben.

Unser Rundführer wusste auch keinen Rat. Ihm fielen zu diesem Diebstahl nur folgende beschwichtigenden Worte ein (frei übersetzt): "Der Herr sieht alles und sorgt immer für einen Ausgleich im Leben. Wenn einem Pech widerfährt, so wird man in der Zukunft Glück haben. Nicht sofort, man muss sich gedulden. Der Herr sieht alles." Liest er eigentlich auch Online-Tagebücher ?!

Entlang der Hauptstraße befinden sich seltsamerweise viele Schuhgeschäfte, die übrigens auch Second-Hand-Schuhe (!) verkaufen. Ich warf einen interessierten Blick in die Schaufenster, konnte meine Schuhe aber nicht entdecken. Auf Dauer ist barfuß laufen etwas schmerzhaft und deshalb investierte ich unglaubliche 1,95 F$ in ein Paar neuer Plastik-Flip-Flops. Den Preis kann wohl keiner unterbieten ...

Auf dem Marktplatz von Nadi waren Marie und ich die einzigen Nicht-Einheimischen. Unsere Obstvorräte frischten wir mit ganz kleinen Bananen (nur fingerlang !) und Orangen auf. Ich hatte ein wenig Angst, dass dem Verkäufer die Dritten Zähne aus dem Mund fallen und verzichtete auf ein kurzes Gespräch.





Mysterious Ways

Donnerstag, 10.Juni 2004 @ 11:51 Uhr
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In Fiji gibt es nur eine Jahreszeit: Sommer ! Wer etwas genauer hinsieht, der kann eine Regen- und eine Trockenzeit ausmachen, wobei im Juni der geringste Niederschlag fällt. Soweit zur Theorie.

In der Praxis herrscht seit fast drei Wochen mieses Wetter in Fiji. Die Sonne versteckt sich hinter grauen Wolken, Regen trübt den Spaß und die Temperatur fällt in frostige Bereiche zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Niemand kann mir dieses ungewöhnliche Wetterphänomenen erklären - ich muss es schlicht hinnehmen.

Immerhin warnten mich diverse Wetterberichte im Internet vor und deshalb gehörte logischerweise ein Regenschirm zu meinem Reisegepäck. Gemeinsam mit Marie wollte ich zum Stadtzentrum von Nadi laufen und wurde alle zwei, drei Minuten von einem Taxifahrer gefragt, ob er uns mitnehmen darf.

Ich finde Taxis in Fiji interessant: von fehlendem Katalysator und merkwürdigen Motorengeräuschen abgesehen gibt es kein Taxometer. Der Preis ist reine Verhandlungssache und mit etwas Glück bekommt man die Fahrt für ein, zwei Fiji-Dollar (ein Fiji-Dollar entspricht einem halben Euro). Das - und der Regen - überzeugte.

Wer jetzt denkt, Nadi wäre eine Großstadt, der liegt voll daneben: viel mehr als eine Hauptstraße gibt es in dem Ort nicht. Zugegebenermaßen ist alles total zersiedelt, so dass man mit etwas Mühe doch noch 20.000 Einwohner findet.

Im Supermarkt rüsteten wir uns mit frischen Bananen und reichlich Wasser auf, wobei wir natürlich nur echte Fiji-Produkte kauften.

Nicht ganz so echt sind einige der Waren in den diversen Souvenirläden. Nun sind wir Europäer auf der Straße sofort als solche zu erkennen und daher wenden die Verkäufer sämtliche Tricks an, um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Mir ist immer noch nicht klar, wie Marie und ich schließlich in einem dieser Geschäfte landeten. Dort gab es erstmal drei Runden Kava, ist ja klar, und anschließend ein paar nette Geschichten über das Heimatdorf der Besitzer. Nachdem das Vorgeplänkel vorbei war, kam die perfekt durchgeplante Verkaufsstrategie voll zum Greifen. Ich erstand schließlich nach langer Feilscherei eine aus Holz geschnitzte Schildkröte für 25 F$. Ursprünglich sollte sie 50 F$ kosten und ich bin mir im Nachhinein sicher, dass die Schildkröte nicht mehr als 10 F$ wert ist.





Suspicious Minds

Donnerstag, 10.Juni 2004 @ 09:31 Uhr
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Ich hätte ungleich mehr Kava trinken sollen, wie sich später herausstellte ... gegen Mitternacht bekam ich im Halbschlaf mit, dass sich noch ein weiterer Gast einquartierte. Gegen fünf Uhr morgens musste der Berliner seinen Flieger erwischen und verließ sehr leise den Schlafraum. Anscheinend nicht leise genug: der neue Gast, eine europäische Frau in den Mittdreißigern, drehte vollkommen frei und beschimpfte ihn grundlos mit allen denkbaren Fäkalbegriffen der englischen Sprache.

Merkwürdigerweise verbrachte sie die Nacht nicht in ihrem Bett, sondern unter ihrem Bett, also auf dem harten Boden. Sie hörte mit ihrem Wortschwall auch gar nicht mehr auf, bis wirklich jeder wach war. Die kräftigen Söhne der Herbergsbetreiber zogen sie mit Gewalt aus dem Schlafraum.

Über eine Stunde schrie, tobte und fluchte sie im ganzen Haus weiter und raubte uns allen den Schlaf. Wenigstens kenne ich jetzt ein paar neue englischsprachige Beleidigungen. Man weiß ja nie wann man die mal gebrauchen kann.

Mein Tipp lautete entweder Drogen oder extremer Sonnenstich. Am Morgen berichtete uns die Hostel-Chefin, dass die merkwürdige Frau von der Polizei gestern am verruchtesten Strand von ganz Fiji gefunden wurde, wo sich eigentlich nur zwielichtige Gestalten rumtreiben. Sie wohnte bereits die ganze Woche im Western Hostel und wurde dementsprechend dort auch von der Polizei abgeliefert.

Die Aktion in der Nacht war nicht alles. Ich hoffte eigentlich von den Sonnenstrahlen liebevoll geweckt zu werden, stattdessen schaute direkt in das Gesicht der durchgeknallten Frau. War die immer noch hier ?

In einem weiteren Anfall von Paranoia schloß sie alle Türen stets und ständig per Drehknauf ab. Nicht sehr hilfreich, wenn man von der Dusche kommt (übrigens lediglich ein kalter Wasserstrahl !) und wieder zu seinen Sachen will. Glücklicherweise war Marie noch im Schlafraum und öffnete mir die Tür. Aus Erfahrung klug verblieb immer mindestens ein Normalo im Schlafraum, um den anderen die Tür zu öffnen.

Das kontinentale Frühstück, welches erst so groß angekündigt wurde, bestand aus zwei Scheiben Toastbrot, Margarine und etwas Marmelade. Ich verkniff mir einen Kommentar und futterte anschließend heimlich einen meiner aus Sydney mitgebrachten Müsliriegel um das Hungergefühl zu unterdrücken.


1 Kommentar

dejavu
schrieb [roter Rollmops] am 23.06.2004 um 11:51 Uhr
Hmmm, das erinnert verdächtig an alte Wg-Zeiten, die Frau hieß nicht zufällig basti?




Start Me Up

Mittwoch, 09.Juni 2004 @ 22:42 Uhr
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Ab und zu gibt es Löcher in der Matrix. Das erkennt man daran, dass irgendwas fehlt oder keinen Sinn macht. Im Notfall beides.

Zuerst fehlte Quyen: sie schrieb heute vormittag noch eine Klausur und kommt daher erst morgen mit einem anderen Flieger nach. Das entbindet sie von einigen Organisationsaufgaben, wie dem Besuch eines Reisebüros direkt nach der Ankunft auf dem internationalen Flughafen in Nadi (gesprochen: Nän-die).

Die Begrüßung hatte in meinen Augen schon fast mafiöse Züge: jeder kennt irgendwie jeden und so leitete die normalerweise objektive Flughafen-Auskunft uns zu ihrer eigenen Verwandtschaft weiter. Aber das soll uns auch egal sein, da sich diese Reisebüro eh auf den Westteil Fijis spezialisiert hat und wir genau dort die nächsten zehn Tage verbringen wollen.

Nach über einer Stunde stand fest, dass wir die ersten beiden Nächte in Nadi verbringen und dann am Freitag früh mit der Fähre nach Nanuya Lailai, einer der Yasawa-Inseln, übersetzen. Der Name Nanuya Lailai steht für "kleine Schildkröteninsel", ist in einer Stunde bequem zu Fuß zu umrunden und verfügt über den legendären Blue Lagoon Beach. Dort planen wir drei Tauchgänge. Somit steht das Programm für die erste Hälfte des Urlaubs fest, den Rest entscheiden wir spontan !

Im Familienbetrieb Western Hostel (ja, das Reisebüro hieß Western Travel und ist, man vermutet es bereits, verwandtschaftlich verknüpft mit dem Hostel) trafen wir auf drei andere Europäer: ein irisches Paar und einen Berliner.

Nachdem es für eine Gaststätte zu spät war - um 21 Uhr ist bereits quasi alles dicht - kochte die einzige Angestellte ein Gericht aus Spiegelei, Spinat und diversen nicht identifizierbaren einheimischen Zutaten. Ich fand's lecker und satt wurde ich auch. Zum Runterspülen probierte ich ein Fiji Bitter Bier.

Wenn es ein Getränk gibt, dem man in Fiji nicht entkommen kann, dann ist das zweifelsohne Kava. Es sieht aus wie dünnflüssiger grauer Schlamm und zur Herstellung greift man auf ein Pulver zurück, das aus einer speziellen Fiji-Pfefferpflanze stammt und löst dieses in einer überdimensionale Holzschale in kaltem Wasser auf.

Das Ablehnen dieses Getränks kommt einer Beleidigung gleich und somit konnte ich gleich am ersten Abend in Fiji vier (oder waren es mehr ?) Runden über mich ergehen lassen. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig aber nachdem man eine gewisse Menge intus hat, stört er nicht mehr.

Kava soll gegen viele Krankheiten helfen, betäubt die Zunge ganz ordentlich und macht müde. Doch was noch viel wichtiger ist: es ist alkoholfrei und daher als Einschlafhilfe wirklich bedingungslos empfehlenswert.





You Drive Me Crazy

Mittwoch, 09.Juni 2004 @ 12:35 Uhr
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mehr ? na hier: Bilder: fiji

So, nun ging es heute also los nach Fiji. Fiji ? Heißt es nicht Fidschi ? Letztere Schreibweise ist zwar in Deutschland korrekt, aber mir gefällt das kürzere Wort Fiji einfach viel besser. Vor allem da auch die Einheimischen ihre Inselgruppe in der offiziellen Landessprache Englisch so nennen.

Konsequenterweise habe ich heimlich alle bisherigen Einträge im Tagebuch nachträglich umgeändert. Meine Fotos sind dementsprechend in der Gallerie unter dem Schlagwort Fiji zu finden.

Noch nie begann ein Urlaub derart planlos: zwar stand schon frühzeitig im Mai das Reiseziel und die Reisedauer fest, doch was machen wir wann und vor allem wo ? Kurz und knapp: wir trafen in Fiji ohne Unterkunft ein ! Das will heißen, die Marie und die Quyen begannen mit dem Stephan das organisierte Chaos schon unmittelbar nach der Ankunft in Fiji ...

Eigentlich entstand die Idee zu diesem Urlaub nachdem Marie und ich während der Tauchschule ein Werbeprospekt sahen, das einen vollorganisierten Fiji-Ausflug für 2500 A$ verkaufen wollte. Das können wir billiger ... denn die Korallenriffe lassen wir uns nicht entgehen. Der anschließende Gang zum Reisebüro war nicht schwer und Sonderangebote für Flüge nach Fiji gab es genug. Nachdem die Tickets bezahlt waren, wurde es verdächtig ruhig um den Urlaub.

Jeder hatte mit seinem Studium zu tun und erfand eifrig jeden Tag neue Ausreden. Immerhin schaffte ich es, einen Reiseführer von Lonely Planet zu kaufen und bei der Bank ein wenig Bargeld, d.h. Fiji-Dollars, umzutauschen. Nach kurzer Internet-Recherche stand grob fest, dass die Blaue Lagune von uns nicht verschont wird.

Was uns im Detail widerfuhr, das gibt es alles in den nachfolgenden Einträgen zu lesen. Ähmm, in den vorherigen. Oder wie auch immer: alle Einträge sind ja in umgekehrter Reihenfolge, damit die neuesten zuerst erscheinen. Verwirrt ?





Natural Blues

Mittwoch, 09.Juni 2004 @ 07:45 Uhr
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Alles ist bereit zum Abmarsch, die Pferde sind gesattelt - wir fliegen bis zum Horizont, anschlagen und zurück !

Und nochmal zur Erinnerung: auf dieser Internetseite herrscht das große Schweigen bis einschließlich 20.Juni. In der Zwischenzeit passiert nichts wesentliches, was im Klartext heißt: Deutschland fliegt in der EM-Vorrunde raus.





Follow The Light

Dienstag, 08.Juni 2004 @ 21:45 Uhr
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Und wieder liegt ein mit Erlebnissen vollgepackter Tag hinter mir ! Doch fangen wir fein säuberlich der Reihe nach und vor allem chronologisch an:

Gestern trafen meine Unterlagen zur bevorstehenden Europawahl ein. Laut Aufdruck kam der Umschlag nach nur sechs Tagen Reise um die Welt am 28.Mai in Sydney an, wofür ich der Deutschen Post wirklich ein großes Lob ausspreche. Allerdings schaffte es die Australische Post ohne Schwierigkeiten dieses Dokument ganze elf Tage in ihren Katakomben verschwinden zu lassen. Dazu äußere ich mich lieber nicht weiter. Obwohl: spaßig ist es schon, wenn sich die Mitarbeiter am Schalter untereinander nur schlecht verstehen, weil sie nicht mal richtig Englisch sprechen und vermutlich nicht viel länger als ich in Down Under sind.

Jedenfalls setzte ich beim Frühstück schnell mein Kreuzchen, auch der Wahl-O-Mat wurde befragt, und ich schaute im Internet schnell die Zustellzeiten nach. Mit der Australischen Post ist es ein Ding der Unmöglichkeit, bis Sonntag alles rechtzeitig in meinen Wahlkreis zu bekommen.

Was tun ? Hmm, da fällt mir das Deutsche Konsulat ein ... also stürmte ich frohen Mutes nach Paddington, einen der teureren Stadtteile Sydneys. Mir wurde schnell klar, warum das Deutsche Konsulat gerade hier residiert: selten so viele Mercedes-Benz, BMW und Audi auf einen Haufen gesehen. Unglaublich !

Nachdem ich erst eine Standpauke über mich ergehen lassen musste, dass man eigentlich geschlossen habe, kümmerte man sich doch um meinen Fall. Niemand wusste was zu tun ist, also rief man in Deutschland an. Nach über einer halben Stunde, ich kannte inzwischen das Fernsehprogramm der Deutschen Welle auswendig, teilte man mir einen negativen Bescheid mit: die Ausübung des Wahlrechtes sei Privatsache und darf nicht von staatlicher Seite unterstützt oder behindert werden. Heißt: Das Konsulat will nichts damit zu tun haben und ich solle die Beförderung meines Stimmzettels nach Deutschland gefälligst selbst organisieren. Super Hilfe, liebes Konsulat ! In solchen Augenblicken bin ich ja so stolz Deutscher zu sein ...

Da ich keine 35 A$ für einen Kurierdienst ausgeben wollte, klebte ich verlegen 1,65 A$ auf den Umschlag und hoffe nun inständig auf eine schnelle Luftpost. Theoretisch könnte es bis Sonntag noch klappen ...

Wenn man sich hingegen auf etwas verlassen kann, dann sind das die Sterne und Meteore und Planeten. Nach über 100 Jahren schob sich die Venus wieder vor die Sonne. Dieses äußerst seltene Schauspiel hatte für Australien einen ganz besonderen Nebeneffekt: 1769 wurde James Cook nach Tahiti geschickt, da man mit Hilfe des damals ebenfalls stattfindenen Venus-Durchgangs den Abstand der Sonne von der Erde bestimmen wollte. In einem versiegelten Umschlag gab es nach sehr erfolgreichen Beendigung dieses wissenschaftlichen Experiments einen Sekundärauftrag: die Erforschung der südlichen Gewässer. Und, rein zufällig, fand James Cook einen ganzen Kontinent namens Australien. Er landete damals in der Botany Bay, dem Südende Sydneys - keine 10 km von mir entfernt.

Am Observatorium bildete sich eine viel zu lange Schlange. So blieb ich dann lieber außerhalb, wo ich auch viel mehr Platz auf der Wiese hatte und einen wunderschönen Ausblick über die Stadt genoss. Mehrere Hobbyastronomen hatten ihre Teleskope aufgebaut und fachsimpelten untereinander. Sie waren superfreundlich und ließen auch alle Komplett-Laien - wie mich - durch ihre Geräte schauen.

Mit etwas Geduld konnte ich dann mit meiner kleinen Digitalkamera dieses großartige Foto schießen, das die Venus als kleinen schwarzen Fleck vor der riesigen Sonne zeigt. Darauf bin ich echt stolz !

Gleich im Anschluß fand auch meine letzte Vorlesung im Herbstsemester statt. Das fühlt sich richtig gut an. Und darauf bin ich genauso stolz.

Sachen packen, nichts vergessen, ruhig bleiben ! Morgen mittag geht es los und mittlerweile weiß es doch jeder: Fiji, der Stephan kommt ! Gemeinsam mit Marie und Quyen gilt es dann die Blaue Lagune zu durchschwimmen, zu den Korallenriffs hinab zu tauchen und einfach nur unter Palmen am Strand liegen. DAS habe ich mir wirklich verdient


1 Kommentar

Viel Spaß...
schrieb [Bruder Christian] am 08.06.2004 um 22:01 Uhr
... und ne schöne Reise. Bring uns wieder schicke fotos und spannende reiseberichte mit. Die Welt sehnt sich danach




We Are All Made Of Stars

Dienstag, 08.Juni 2004 @ 11:06 Uhr
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Aus Anlass des in wenigen Stunden anliegenden Venus-Transits schalte ich eine weitere Webseite frei: http://sonnenstand.stephan-brumme.com.

Viele werden schon die kleine Grafik auf dieser Seite bemerkt haben, die seit Anfang Mai veranschaulicht, wo gerade auf der Erde Tag und wo Nacht ist. Das ganze gibt es jetzt in verschiedenen Größen, also auch in XXL, und auf Wunsch gar in 3D ! Na wenn sich da die Venus nicht freut

Da fällt mir ein: die Venus müsste zwischen 15 und 17 Uhr (Ortszeit Sydney) als kleiner Schatten in der Grafik erscheinen ... tut sie aber nicht ! Da sich die Venus erst wieder in acht Jahren vor die Sonne schiebt, habe ich genug Zeit, um bis 2012 dieses Feature noch nachzubasteln.





Nine Lives

Montag, 07.Juni 2004 @ 22:07 Uhr
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Gestern abend schaute ich mir im Fernsehen A Clockwork Orange an, einen der großen Klassiker von Stanley Kubrick. Und die Musik wollte einfach nicht mehr meine Ohren verlassen ... also heute auf zum Second-Hand-Shop und nach Beethovens Neunter gekramt. Für schlappe 6 A$ bin ich nun stolzer Besitzer der passenden CD und kann mich ganz der Klassik hingeben. Allen war ja stets bewusst, dass ich einen leichten Knall habe, aber nun scheint jede Hoffnung endgültig verloren !

Zumindestens kann ich mich über meinen erfolglosen Ausflug zum Observatorium hinwegtrösten: für morgen sind absolut keine Eintrittskarten mehr verfügbar. Die Venus muss sich also ohne mich vor die Sonne schieben. Dann schau ich mir die Bilder eben live im Internet an, das ist zwar nicht so schön, aber was soll ich machen ?

Auf dem Rückweg tauschte ich für den anstehenden Urlaub noch ein paar Dollar um. Aufgepasst, das war Tip Nummer Zwei ! Gesucht ist also ein Land außerhalb Australiens, wo man wunderbar tauchen kann und die Währung sich Dollar schimpft (natürlich nicht US-Dollar). Wer jetzt noch ein F als Anfangsbuchstaben parat hat, der weiß schon wohin es geht ...

PS: Mein Handy funktioniert da vermutlich nicht. Also Funkstille vom 9. bis zum 20.Juni. Das Klingeln würde ja eh nur stören am schneeweißen Strand


1 Kommentar

Es wird ja wohl nicht...
schrieb [dreifingerjoe] am 07.06.2004 um 16:09 Uhr
... Fidschi sein? Nein, Fidschi wäre sicherlich etwas zu dekadent. Aber mir fällt wirklich nix anderes in der Gegend da ein, außer vielleicht noch Frankreich (was ja auch einige Teile seines Staatsgebietes im Südpazifik hat). Aber du hast ja nicht in Euros getauscht... *grübel*




Dear Diary

Sonntag, 06.Juni 2004 @ 21:14 Uhr
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Wenn man mal die eine noch ausstehende Prüfung außen vor lässt, dann habe ich eigentlich das erste Semester schon beendet, man könnte auch laut "Halbzeit !" rufen. In zwölf Wochen - in Deutschland sind es normalerweise fünfzehn - bekam ich einen ganz guten Einblick in die Höhen und Tiefen des australischen Bildungssystems.

Trotz nicht zu verachtender Studiengebühren zieht es mehr Jugendliche an die Uni als daheim. Allerdings begnügt sich der Großteil nach etwa drei Jahren mit einem Bachelor. Nur wenige absolvieren gleich im Anschluß den Master, obwohl manche nach ein paar Arbeitsjahren nochmal an die Uni zurückkehren. Um alles unter einen Hut zu bekommen, sind sie dann in der Regel als Teilzeitstudenten eingeschrieben, weil sie meist ihren hart erkämpften Arbeitsplatz nicht aufgeben wollen sondern höchstens die Wochenstundenzahl reduzieren.

Auf diese Gegebenheiten nimmt man besondere Rücksicht: viele Kurse für Postgraduierte finden erst abends um 18 Uhr statt. Und falls das alles zu anstrengend ist, darf man sich einen kostenlosen Kaffee vorm Hörsaal holen und nochmal tief durchatmen.

Für mich hat das unterschiedliche Konsequenzen: die Bandbreite an Jahrgängen ist enorm, sie reicht von Zwanzigjährigen bis zu Sechzigjährigen (!). Die Bindungen innerhalb der Studierendenschaft ist demzufolge nicht ganz so groß und wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich außer den Europäern und Amis fast niemanden näher kennengelernt habe - genau diese beiden Bevölkerungsgruppen sind wie ich entweder als International oder Exchange Students eingeschrieben. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Was den heutigen Tag angeht: nach langer, langer Zeit schmierte ich mir mal wieder Vegemite aufs Brot. Das Teufelszeug, ein Hefeextrakt mit ordentlich Salz, ist echt gewöhnungsbedürftig aber man überlebt es. Immerhin ist es die bekannteste Marke in Australien: noch vor Coca-Cola !

Es bereitete mir richtig Freude, alle anderen hektisch beschäftigt zu sehen, während ich seelenruhig und minutenlang auf der Coach meine Fingernägel intensiv säuberte. Tja, meine Assignments sind alle abgeschlossen ...







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